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KI03. Juni 2026 8 Min. Lesezeit

Agentic Coding: Wie KI-Agenten 2026 Software bauen — und was davon wirklich stimmt

Aus der Code-Vervollständigung von gestern sind selbstständig arbeitende Agenten geworden. Ein ehrlicher Blick darauf, was das in der Praxis verändert — ohne Hype, aber auch ohne die Augen zu verschließen.

Marzel Kuhn

Marzel Kuhn

VAROZ · Webdesign & Software

Bildschirm mit Programmcode als Sinnbild für KI-gestützte Softwareentwicklung
Bild: Pixabay

Vor zwei Jahren hieß KI in der Entwicklung: Der Editor vervollständigt die nächste Zeile. Praktisch, aber im Kern eine schnellere Tastatur. 2026 ist daraus etwas anderes geworden. Sogenannte Agenten arbeiten nicht mehr Zeile für Zeile, sondern in Schleifen: Sie bekommen eine Aufgabe, planen Schritte, schreiben Code, testen ihn, korrigieren sich selbst und liefern am Ende ein Ergebnis. »Agentic Coding« nennt sich das, und es ist das Thema der Branche. Zeit für einen nüchternen Blick — was stimmt, was ist Marketing.

Vom Autocomplete zum Mitarbeiter auf Zeit

Der Unterschied ist nicht graduell, sondern grundsätzlich. Ein Vorschlag, der die nächste Zeile errät, spart Sekunden. Ein Agent, der eine ganze Aufgabe übernimmt, eigenständig durch mehrere Dateien arbeitet und dabei seine eigenen Fehler bemerkt, spart Stunden. Genau diese langlaufenden, selbstständigen Abläufe sind 2026 das Neue — nicht das Erzeugen von Code an sich, sondern dass die Maschine über viele Schritte am Ball bleibt.

Was die Agenten richtig gut können

Ich nutze diese Werkzeuge täglich, und in manchen Dingen sind sie verblüffend stark. Vor allem dort, wo Arbeit zwar nötig, aber wenig kreativ ist:

  • Wiederkehrende Routine — Gerüstcode, Standardabläufe, das zehnte Formular nach demselben Muster.
  • Tests schreiben: oft mühsam von Hand, für einen Agenten dankbare Fleißarbeit.
  • Migrationen und Aufräumarbeiten quer durch viele Dateien, die früher einen ganzen Tag stumpfes Klicken bedeutet hätten.
  • Erste Entwürfe und Recherche — eine grobe Richtung in Minuten statt Stunden.

Erhebungen aus diesem Jahr nennen im Schnitt rund 19 Prozent mehr Produktivität in Entwicklungsteams. Spürbar, aber eben kein Faktor zehn — und genau diese Einordnung ist wichtig.

Wo der Mensch nicht ersetzbar ist

Ein Agent ist hervorragend darin, eine klar umrissene Aufgabe zu erledigen. Er ist schlecht darin zu entscheiden, ob es die richtige Aufgabe war. Architektur, die in drei Jahren noch trägt. Die Frage, was überhaupt gebaut werden soll und was man bewusst weglässt. Das Gespür, wann eine Lösung zwar funktioniert, aber an der falschen Stelle Komplexität anhäuft. Sicherheit, Datenschutz, Wartbarkeit — all das braucht ein Urteil, das aus Erfahrung kommt, nicht aus einer Vorhersage des nächsten plausiblen Tokens.

Ein Agent schreibt in Minuten Code, der läuft. Ob er das Richtige gebaut hat, weiß nur jemand, der das Projekt versteht — und das ist keine Frage der Geschwindigkeit.

Was das für dich als Auftraggeber bedeutet

Zwei Dinge. Erstens: Manches geht heute schneller und damit oft auch günstiger als noch vor zwei Jahren — das darfst du erwarten. Zweitens, und wichtiger: Tempo ohne Kontrolle ist gefährlich. Wenn jemand seine Software fast vollständig von einem Agenten »generieren« lässt und das Ergebnis nicht versteht, wird es spätestens beim ersten Fehler, beim ersten Sicherheitsvorfall oder bei der ersten Erweiterung teuer.

Die ehrliche Frage an deinen Entwickler ist deshalb nicht »Nutzt du KI?« — das tun inzwischen fast alle. Sie lautet: »Verstehst du, was am Ende ausgeliefert wird, und stehst du dafür gerade?« Genau so arbeite ich: Die Werkzeuge nehmen mir die Routine ab und machen mich schneller. Die Verantwortung für das, was läuft, gebe ich nicht an einen Agenten ab.

Agentic Coding wird im Alltag selbstverständlich werden, so wie es Suchmaschinen und Versionsverwaltung längst sind. Spannend bleibt nicht, wer die Werkzeuge hat, sondern wer weiß, was er damit tut.

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